Rückenwind für Chicagos Kunstszene

Die Nada startet eine neue Messe parallel zur Expo Chicago. Letztere freut sich über mehr internationale Aussteller.
Die Galerie Ropac präsentiert bei der Expo Chicago das Kunstprojekt „The Ship of Tolerance“ des Künstlerpaars Ilya und Emilia Kabakov. / (c) Daniel Hegglin

21.09.2019 | 18:23 | Eva Komarek, Die Presse

Chicago mag für Kunstsammler nicht wirklich auf der Weltkarte einen roten Punkt haben. Doch für die „Windy City“, wie der Spitzname der Stadt lautet, gibt es in Sachen Kunst gerade Rückenwind. So hat etwa die New Art Dealers Alliance (Nada), die im Vorjahr ihre langjährige Messe in New York wegen hoher Mietkosten eingestellt hat, im Herbst parallel zur Expo Chicago in der Stadt am Michigansee einen neuen Messestandort gefunden.

Chicago verfügt über eine reiche kulturelle und architektonische Geschichte. Und sie ist eine der zehn wirtschaftsstärksten Metropolen der Welt. In den USA belegt Chicago mit einer Wirtschaftsleistung von 651,2 Milliarden Dollar den dritten Platz innerhalb der Vereinigten Staaten. Es ist eine wohlhabende Stadt.

Neustart in Chicago. Mit der Chicago Invitational, wie die Messe heißt, geht Nada in einen noch wenig gesättigten Markt, der vor allem kleineren und mittleren Galerien entgegenkommt. Chicago hat wichtige Kunstinstitutionen, eine lebendige Szene von alternativen und von Künstlern betriebenen Art Spaces und etablierte Sammler. Nur was den Kunstmarkt betrifft, ist die Stadt bisher ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Die Messe, die 35 Aussteller aus elf Ländern zeigt, findet im Chicago Athletic Association Hotel statt, das sich neben dem Art Institute of Chicago befindet und sich über drei Stockwerke zieht. Auf zwei Stockwerken gibt es klassische Messestände, daneben werden 13 Hotelzimmer bespielt. Je nach Budget können sich Aussteller für einen traditionellen Stand entscheiden oder sich ein Zimmer mit einer oder mehreren Galerien teilen. Damit ist die Messe deutlich kleiner als die Nada in Miami. Doch zuletzt haben kleinere Boutique-Messen an Popularität gewonnen. Und es entwickeln sich abseits von New York neue Kunstzentren. War es zur Jahrtausendwende Miami, das durch die Expansion der Art Basel zu einem Kunsthub wurde, oder Los Angeles, das heuer durch einen kleineren Ableger der Frieze in den Fokus der Kunstwelt rückte, die Branche schafft sich selbst neue Kunsthotspots, auch um langfristig überleben zu können.

Relaunch. Einen Beitrag zum Aufschwung der Kunstszene in Chicago hat sicherlich auch die Expo Chicago geleistet. Seit dem Relaunch der Art Chicago zur Expo Chicago im Jahr 2012 hat die Messe viele internationale Aussteller wie Sammler gewinnen können. So sind heuer unter den Neuausstellern die Marian Goodman Gallery, Hauser & Wirth, und auch der Österreicher Thaddaeus Ropac gibt sein Debüt. Letzterer zeigt eine Auswahl aus seinem Galerieprogramm, darunter Arbeiten von Georg Baselitz, Joseph Beuys, Tony Cragg, Ilya Kabakov, Alex Katz, Anselm Kiefer, Robert Longo, Liza Lou, Robert Rauschenberg, Gerhard Richter und Yan Pei-Ming.

Zu den Höhepunkten gehört etwa Rauschenbergs Arbeit auf Metall „Washed Ghost (Borealis)“ aus dem Jahr 1989. Von Baselitz hat er unter anderem „Herdoktorfreud Grüßgott Herbootsmann“ von 2011 mit. Es basiert auf den Theorien zum Träumen von Psychoanalytiker Sigmund Freud. Neben Bildern von Ilya Kabakov hat Ropac auch dazu beigetragen, dass das Projekt „The Ship of Tolerance“ des Künstlerpaars Ilya und Emilia Kabakov am Navy Pier in Chicago angedockt hat. Das Ehepaar arbeitet bei der Realisierung der Installation mit Kindern, Unternehmen und kirchlichen Einrichtungen zusammen. Die Beteiligten malen dabei ihre Botschaften zu den Themen Toleranz, Frieden und respektvolles Miteinander in der Gesellschaft auf Segeltücher, aus denen das große Segel des Schiffs zusammengesetzt ist.

Neben Ropac ist mit der Galerie Hilger ein zweiter Österreicher vor Ort, und das nicht zum ersten Mal. Er zeigt Arbeiten von Larry Rivers und Ugo Rondinone, aber auch jüngere Positionen von Jakob Kirchmayr und Marko Tadic. Neuaussteller Hauser & Wirth wagt sich an eine Einzelpräsentation der Künstlerin Lorna Simpson, die mit ihren Foto-Porträts, die mit knalligen Farben übermalt sind, für Aufmerksamkeit sorgt.