Haus der Geschichte stellt zerstörte Holocaust-Porträts aus

Das Museum will sowohl den Vandalismus an der Ausstellung „Gegen das Vergessen“ als auch die Reaktionen darauf dokumentieren und übernimmt Teile der geschändeten Elemente in die Sammlung.
Eines der zerschnittenen Porträts am Wiener Ring. / APA/LUKAS HUTER

28.05.2019 | 14:00 | Die Presse

Es waren Gesichter von Holocaust-Überlebenden, die zuletzt mehrmals Opfer von Vandalismus wurden. Wie die „Presse“ berichtete, wurden die Porträts, die im Rahmen der Ausstellung „Gegen das Vergessen“ am Ring ausgestellt sind, in der Nacht auf Montag zerschnitten. Wenige Tage, nachdem sie mit Hakenkreuzen beschmiert worden waren. Das Haus der Geschichte verkündete am Dienstag, Teile der geschändeten Ausstellung sowie die Reaktionen darauf dokumentieren zu wollen. 

Denn der Vandalismus löste nicht nur eine Welle der Empörung aus. Mehrere Organisationen hatten kurz nach Bekanntwerden spontan zu Mahnwachen für die Ausstellung aufgerufen. Mitglieder der Young Caritas, der Muslimische Jugend Österreichs und des Kunstvereins Nesterval standen die ganze Nacht Wache, und wollen dies bis zum Ende der Ausstellung in drei Tagen fortführen. Wie der Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner auf Facebook verkündete, wurden die Löcher, die in die Porträts geschnitten wurden, von Menschen aus der Bevölkerung wieder zugenäht.

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Das Haus der Geschichte will nun einige Porträts und den sichtbar gebliebenen Vandalismus in die eigene Sammlung aufnehmen. „Mit dokumentiert werden dabei auch die Antworten der Zivilgesellschaft“ heißt es in einer Aussendung. Monika Sommer, Direktorin des Haus der Geschichte, sieht in der „schockierenden mutwilligen Zerstörung" einerseits und dem „Schulterschluss der Zivilgesellschaft" andererseits „Symptome für die aktuelle Verfasstheit der österreichischen Gesellschaft." Österreich habe eine besondere Verantwortung für die historisch-politische Bildung, besonders zeige sich das am Heldenplatz.

Die Ausstellung „Gegen das Vergessen“, die Fotos von Holocaust-Überlebenden des Künstlers Luigi Toscano zeigt, kam auf Initiative des Zentrum Esra nach Wien. Die Wanderausstellung, die schon in anderen europäischen Städten im öffentlichen Raum zu sehen war, und ist noch bis Freitag an der Ringstraße zu sehen.